Die Sache mit der Empathie – Fluch oder Segen? Oder einfach eine Frage der Balance.
- Maria Luis

- 4. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Empathie zählt zu den wichtigsten sozialen Kompetenzen in jeder Form von Zusammenarbeit. Sie schafft Verbindung, fördert Vertrauen und ermöglicht ein tieferes Verständnis für Dynamiken und Bedürfnisse im Miteinander.
Doch wie viele Stärken hat auch Empathie eine Seite, über die im beruflichen Kontext selten gesprochen wird.
Je feiner wir Signale wahrnehmen, desto leichter verschiebt sich unser innerer Fokus nach außen. Aus dem Wunsch heraus, zu verstehen oder auszugleichen, geraten eigene Grenzen und Belastungsgrenzen schnell in den Hintergrund.
Gleichzeitig zeigt die Praxis:
Ein Zuwenig an Empathie ist genauso herausfordernd wie ein Zuviel.
Fehlende Empathie kann dazu führen, dass Konflikte eskalieren, Bedürfnisse übersehen werden oder Entscheidungen hart wirken. Ein Zuviel dagegen kippt leicht in Überanpassung und Überverantwortung.
Eine dritte Ebene wird dabei oft übersehen – die Rolle.
Empathie wirkt nur dann gesund, wenn sie innerhalb eines klaren beruflichen Rahmens stattfindet. Fehlende Rollenklarheit führt schnell zu Grenzverschiebungen:
Man übernimmt zu viel Verantwortung, fühlt zu nah, reagiert zu persönlich oder verliert die professionelle Distanz.
Rollenbewusstsein dagegen stärkt Haltung, schützt vor Überforderung und schafft Orientierung – gerade in Situationen, in denen Nähe und Distanz bewusst balanciert werden müssen.
Damit stellt sich eine zentrale Frage:
Wann ist Empathie Ressource – und ab wann Belastung oder blinder Fleck?
Gerade in Berufsgruppen mit hoher Beziehungsintensität – Führung, Pädagogik, Beratung, Care-Arbeit oder Teams mit viel Verantwortung – zeigt sich immer wieder:
Empathie kann in Überanpassung kippen.
Resonanz kann zu zu viel Verantwortung werden.
Verständnis kann klare Grenzen überdecken.
Fehlende Empathie kann Distanz und Konflikte verstärken.
Und unklare Rollen können jede Form von Empathie ins Ungleichgewicht bringen.
Es geht nicht darum, Empathie zu verringern, sondern sie bewusst zu regulieren und auszubalancieren:
damit sie trägt, ohne zu überfordern.
damit sie verbindet, ohne zu vereinnahmen.
damit sie führt, ohne zu verletzen.
Genau hier werden professionelle Reflexionsräume zentral.
Als Supervisorin öffne ich Räume, in denen Empathie sortiert, Rollen geklärt, Grenzen bewusst gesetzt und innere Stabilität gestärkt werden können – für Einzelne, Teams und Führungskräfte. Räume, die Klarheit, Haltung und eine gesunde Balance zwischen Nähe und Distanz ermöglichen.
Empathie wirkt – aber nur, wenn sie nicht auf Kosten der eigenen Ressourcen geht.
Supervision bietet den Rahmen, in dem diese Balance gepflegt, gestärkt und dauerhaft etabliert werden kann.
Wenn Du oder Ihr Interesse an einem unverbindlichen Austausch oder einem ersten Gespräch habt, stehe ich gerne zur Verfügung.




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